Tuesday, 03.09.2019 - Sarajevo

Der Ungleichheit entgegenwirken? Kinderbetreuung auf die Agenda setzen! – Vorstellung einer Studie

Welche Bedeutung haben Kindergärten für Kinder, Familien und die Gesellschaft? Wie viele Kinder besuchen überhaupt Kindergärten und wie steht BiH im Vergleich zur EU? Wie ist das Preisverhältnis von Kindergartenplätzen und dem durchschnittlichen Einkommen in BiH? Und was sind die Gründe für die aktuelle Situation?

Antworten auf diese Fragen zu finden, war die Aufgabe der Studie "Die Bedeutung von Kinderbetreuung für die Herstellung von Chancengleichheit für alle Kinder", die am 03.09.2019 in Sarajevo vorgestellt wurde.
Über die Ergebnisse der Studie sprachen Dr. Borjana Miković, Autorin der Studie und Dozentin an der Fakultät für Politikwissenschaft, Prof. Dr. Sanela Bašić,
Professorin an der Fakultät für Politikwissenschaft sowie Samir Suljević und Vildana Bešlija, Abgeordnete im Parlament des Kantons Sarajevo.
Prof. Bašić stellte die Klassenperspektive in den Mittelpunkt der Diskussion: Wer hat Zugang zu Kindergärten? Wer kann es sich leisten, Kinder in öffentliche, bzw. bei Platzmangel, in private Kindergärten zu schicken und was bedeutet das für die Förderung und Entwicklung der Kinder? Die Ergebnisse weisen darauf hin, dass bereits bei dieser Frage soziale Unterschiede in der Gesellschaft zementiert werden.
Auch die genderpolitische Perspektive blieb nicht unbeachtet. Der Mangel an bezahlbaren Kindergartenplätzen führt meistens dazu, dass Eltern entscheiden, ihre Kinder zu Hause zu lassen und in der Regel die Mütter die Kinderbetreuung übernehmen. Dadurch werden viele Frauen vom Arbeitsmarkt ausgeschlossen.
Die Aktivität von Frauen auf dem bosnisch-herzegowinischen Arbeitsmarkt ist mit knapp 40% weiterhin sehr niedrig. Die Geburtenraten gingen im Jahr 2018 auf 1,26 zurück. Die Abwanderung nimmt immer mehr zu. Fragt man nach den Ursachen, fallen Begriffe wie „Perspektivlosigkeit“, „Ungerechtigkeit“, „niedriger Lebensstandard“. Klar wird, dass die Perspektive, eine Familie zu gründen, (mehrere) Kinder zu bekommen und sich ein Leben in diesem Land aufzubauen, unter anderem an der Frage geregelter Kinderbetreuung scheitern.
Möchte man diesen Trends entgegenwirken, müssen langfristige systematische Lösungen für die Kinderbetreuung gefunden werden. Vereinbarkeit von Familie und Beruf geht nur wenn der Staat tatsächlich die Voraussetzungen dafür in der Praxis sichert. Laut Samir Suljević und Vildana Bešlija kann der Kanton Sarajevo hier als Vorreiter gelten. Jüngste Maßnahmen zur Unterbringung von fast 700 Kindern, die keinen Kindergartenplatz in öffentlichen Kindergärten bekommen haben, zeigen, dass die Wichtigkeit dieser Frage und die Notwendigkeit zu handeln, verstanden worden sind.
Obwohl es sich um kurzfristige Maßnahmen handelt, ist das Signal richtig und langfristigere Lösungen sind auch schon im Blick. In den kommenden Monaten soll über den Ausbau der Kapazitäten von Kindergärten entschieden werden und Umschulungen von arbeitslosen Lehrer_innen zu Kindergartenbetreuer_innen stattfinden.
Die Studie verfolgt das Ziel, das Thema in den öffentlichen Diskurs einzubetten und unterschiedliche Entscheidungsträger_innen zusammenzubringen, um gemeinsam an Lösungsansätzen zu arbeiten. Das große Interesse der Teilnehmer_innen bestätigt diesen Ansatz und den Bedarf, genau solche Fragen, die die Lebensqualität und den Lebensalltag stark beeinflussen, zu behandeln.


Die komplette Studie befindet sich unter dem Link:<link de publikationen _blank external-link> hier

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