Tuesday, 03.03.2026

Forum: Die EU am geopolitischen Wendepunkt, Banja Luka, 3. März 2026

Die Europäische Union steht an einem Wendepunkt. Entweder werden ihre Institutionen weiter geschwächt und die EU verliert zunehmend an politischem Gewicht – oder sie entscheidet sich für den Weg hin zu „Vereinigten Staaten von Europa“ und entwickelt sich zu einer global handlungsfähigen Großmacht. Darauf machte Ivo Josipović, ehemaliger Präsident der Republik Kroatien und Universitätsprofessor, aufmerksam.

Josipović war Gast des Forums „Zu einem neuen europäischen Narrativ in Bosnien und Herzegowina“, das von der Friedrich-Ebert-Stiftung in Zusammenarbeit mit dem Zentrum für geostrategische Forschung und Analytik in Banja Luka veranstaltet wurde. Darüber hinaus nahm er als Gesprächspartner am Podcast des Zentrums teil.

Im Hinblick auf die Rolle der Bürgerinnen und Bürger von Bosnien und Herzegowina in einem neuen europäischen Narrativ verwies Josipović auf aktuelle Umfrageergebnisse. Demnach sprechen sich mehr als 71 Prozent der Bevölkerung für einen Beitritt zur Europäischen Union aus. In der Republika Srpska liegt die Zustimmung zur europäischen Integration mit 48,3 Prozent allerdings deutlich unter dem landesweiten Durchschnitt.

Ein häufig vorgebrachtes Argument von Euroskeptikern ist die Sorge, ein EU-Beitritt könne nationale Identitäten verdrängen. Tatsächlich jedoch stellen europäische Fonds erheblich mehr Mittel für den Erhalt nationaler und regionaler Kultur bereit, als viele Staaten selbst für die Pflege ihres kulturellen Erbes aufwenden, betonte Josipović.

Abschließend äußerte er sich auch zur Politik des amerikanischen Präsidenten Donald Trump:

„Derzeit unterstützt nur noch etwa jeder vierte Amerikaner Trump, doch das scheint ihn wenig zu beunruhigen. Problematisch ist vielmehr, dass Donald Trump auf internationaler Ebene als negatives Vorbild für andere politische Führungspersönlichkeiten und Machthaber wirkt.“

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