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Vertrauen in die Medien und der Stand der Medienfreiheit

Die Friedrich-Ebert-Stiftung führt seit 2009 gemeinsam mit ihrer Partnerorganisation, dem Journalistenverband „BH Novinari“, im Rahmen ihres Programms zur Förderung der Medienfreiheit in Bosnien und Herzegowina eine quantitative Studie zur Medienfreiheit im Land durch. Die im April veröffentlichte diesjährige Studie beleuchtet den aktuellen Stand der Medienfreiheit in Bosnien und Herzegowina und ermöglicht zugleich einen Vergleich der Entwicklungen im Zeitraum von 2018 bis 2026.

Zu den zentralen Ergebnissen der Studie zählt das anhaltend geringe Vertrauen in Politikerinnen und Politiker sowie in politische Parteien. Befragte in beiden Entitäten beziehen ihre Informationen mittlerweile überwiegend aus dem Internet. Im Vorjahr galt hingegen unter den Bürgerinnen und Bürgern der Föderation Bosnien und Herzegowina noch das Fernsehen als wichtigste Informationsquelle. Eine Annäherung der Einschätzungen zeigte sich zudem bei der Bewertung des Einflusses verschiedener Faktoren auf die Arbeitsbedingungen von Journalistinnen, Journalisten und Medien sowie hinsichtlich möglicher Maßnahmen zu deren Verbesserung. Vergleichbare Tendenzen lassen sich auch bei der Einschätzung des Verhältnisses zwischen Politikerinnen und Politikern und Journalistinnen und Journalisten feststellen.

Einige Unterschiede in den Einstellungen, die in der Vergangenheit besonders ausgeprägt waren, haben sich inzwischen abgeschwächt. So waren die Bürgerinnen und Bürger der Republika Srpska im Jahr 2025 noch deutlich häufiger der Auffassung, dass das Amt des Hohen Repräsentanten (OHR) und die internationale Gemeinschaft einen maßgeblichen Einfluss auf die Arbeit der Medien sowie der Journalistinnen und Journalisten ausüben. In der aktuellen Untersuchung fällt dieser Anteil geringer aus, auch wenn sich ihre Einschätzungen weiterhin von denen der Bevölkerung in den übrigen Teilen Bosnien und Herzegowinas unterscheiden.

Bei zahlreichen weiteren Fragestellungen weichen die Wahrnehmungen der Befragten aus der Föderation Bosnien und Herzegowina und der Republika Srpska jedoch weiterhin deutlich voneinander ab. Diese Unterschiede spiegeln die jeweiligen gesellschaftspolitischen und medialen Rahmenbedingungen in den beiden Entitäten wider. Insbesondere die Medien spielen dabei eine zentrale Rolle, da sie maßgeblich die Wahrnehmung der gesellschaftlichen Realität durch die Bürgerinnen und Bürger prägen. Dies sollte vor allem bei jenen Fragestellungen berücksichtigt werden, in denen die Befragten Entwicklungen, Erscheinungsformen oder gesellschaftliche Phänomene in der jeweils anderen Entität beurteilen.

Vor diesem Hintergrund und angesichts des tiefgreifenden Wandels der Medienlandschaft infolge technologischer Innovationen empfahlen die Teilnehmerinnen und Teilnehmer des Programms zur Medienfreiheit in Bosnien und Herzegowina, einzelne Elemente der Untersuchung zu überarbeiten und begrifflich zu präzisieren. Dies betrifft insbesondere die Einordnung des Internets als Medium, die Berücksichtigung von Nachrichtenportalen und den Online-Angeboten traditioneller Medien sowie die genauere Definition von Begriffen wie „allgemeines politisches Klima“ oder „Arbeitsbedingungen von Journalistinnen und Journalisten“.

Besonders hervorgehoben wurde zudem die Notwendigkeit, die bestehende quantitative Untersuchung, die von der Agentur Prime Communications im Auftrag von „BH Novinari“ und der Friedrich-Ebert-Stiftung durchgeführt wird, durch eine qualitative Studie auf der Grundlage von Fokusgruppen zu ergänzen. Auf diese Weise könnten Fragestellungen untersucht werden, die sich im Rahmen telefonischer Befragungen dieser Art nur eingeschränkt erfassen lassen. Dies betrifft insbesondere die Analyse der wichtigsten Informationsquellen der Bevölkerung, die Bewertung der Qualität journalistischer Informationsangebote, Lese- und Mediennutzungsgewohnheiten, den Einfluss von Schlagzeilen und Clickbait-Inhalten sowie differenziertere Erkenntnisse über die Nutzung verschiedener Mediengattungen insgesamt.

Eine Zusammenfassung der Untersuchung finden Sie hier